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wegen reger Nachfrage:
Sonntag, 8. Januar und
Sonntag, 15. Januar 2006
Georg Janthur
Postoperative Malerei
Der
Titel der Schau „Postoperative
Malerei“ mit Bildern von Georg Janthur bezieht
sich darauf, daß der Maler nach einer Operation
längere Zeit an diesem Ort hier dem „Arrenberg“,
wie der Wuppertaler sagt als Patient verbrachte.
Zugleich ist der Titel Hinweis auf sein künstlerisches
Werk, das stets seinem Leben und den Orten, an
denen er sich aufhält, verbunden bleibt.
In seiner täglichen Umgebung zu Hause und
auf Reisen sammelt Janthur seine Motive. Zu diesem
Zwecke trägt er stets Skizzenbücher bei
sich, um Dinge seiner Umgebung festzuhalten. Die
Gegenstände, die auf den Bildern zu erkennen
sind, fand der Künstler an drei verschiedenen
Stationen: in seinem Wuppertaler Atelier, auf Reisen
in Tartu (Estland) und in St. Tropez. Künstler,
die Reiseeindrücke wiedergeben, haben in der
Kunstgeschichte Tradition, denken Sie nur an Gaugin
und die Südsee, oder an William Turner und
den Rhein. Oder auch an August Macke und Paul Klee,
auf deren Spuren Janthur wandelte und nach Nordafrika
reiste, um diese berühmte Reise nachzuerleben
und zu malen. Allerdings interessierten ihn im
Gegensatz zu seinen Vorbildern eher banale Motive.
Auch auf seiner Reise in die Provence skizzierte
der Maler Dinge, „die Cezanne übersehen
hatte“, so Georg Janthur. Was uns der Künstler
von seinen Reisen mitgebracht hat, sind keine Ansichten
estnischer Landschaften oder einen malerischen
Blick auf den Hafen von St. Tropez. Der Maler portraitiert
Alltagsgegenstände, wie Kaffeetassen, Flaschendeckel
und Wäscheklammern. Profane Dinge werden
solitär
dargestellt und aus ihrer Umgebung herausgerissen.
Schwerelos schweben sie im monochromen Bildraum
und werden so zu etwas Besonderem. Der Maler fokussiert
unseren Blick auf das Banale und nennt diesen Prozess
des Wertewandels „Kultivator“. Georg
Janthur skizziert die Objekte mit schnellem Pinselgestus
und reduzierter Farbigkeit. Er nimmt also keine
photo-realistische Analyse vor, wie etwa Konrad
Klapheck mit seinen Schreibmaschinenportraits.
Trotzdem erfasst er das Wesen der Dinge und ihr
Sein und verleiht ihnen Größe und Wichtigkeit.
Dabei verdreht Janthur Proportionen als Mittel
der Verfremdung. Eine kleine Metallöse etwa überragt
eine Kaffeekanne und wächst zu monumentaler
Größe. Die Dinge werden egalisiert,
die Hierarchie der Gegenstände komplett aufgehoben.
Alles schein-bar Triviale wird BESONDERS und ERHABEN.
Betrachten wir die Dinge, die aus ihrer Umgebung
herausgelöst wurden, so stellt sich die Frage,
ob wir die Gegenstände, die wir hier sehen
ihren Ursprungsorten zuordnen können. Wir
können es nicht, nichts ist ortstypisch, nur
der Maler weiß, dass die abgebildete Rasierwasserflasche
aus Estland stammt. Und die kleine Tierfigur ein
Mitbringsel aus Mexiko ist, die nun in seinem Atelier
in Elberfeld steht.
Globalisierung auch in
der Motivwelt Georg Janthurs.
Wo mag der Maler
einen Revolver entdeckt haben? In einer dunklen
Kneipe in Tartu? Vor einem Spielkasino in St. Tropez?
Er liegt in seinem Atelier in der Kieler Strasse,
ist in Wirklichkeit knallig pink und aus Plastik.
Unwillkürlich versucht der
Betrachter die Gegenstände in einen narrativen
Zusammenhang zu bringen. Doch der Revolver entpuppt
sich als harmlos, alles Fake ein Spiel mit
Bild und Abbild, Sein und Schein. Janthur verfremdet
die Gegenstände nicht nur in der Proportion
und verändert sie farblich, er vereinfacht
sie, reduziert alles auf wesentliche Formen und überführt
sie so auch in die Abstraktion. Gertrude Stein
hat mit ihrem berühmten Satz „A rose
is a rose is a rose is a rose“ Aussagen über
die Metaphysik der Existenz gemacht, die auch für
die Objekte auf Janthurs Bildern gelten. Die Dinge
möchten nicht mehr und nicht weniger als einfach
nur SEIN und wahrgenommen werden. Was wir hier
sehen und erleben ist allerdings eine weitere Ebene
der Existenz, denn natürlich handelt es sich
bei allen Gemälden nur um Abbilder der realen
Gegenstände. Wir sehen nicht das Küchenmesser,
sondern das Bild eines Küchenmessers. Und
damit fordern nicht nur die abgebildeten Dinge
selbst unsere Wahrnehmung, sondern vielmehr das
zwei-dimensionale Bild, das der Künstler von
ihnen produziert hat. Ein einfacher Salzstreuer
wird zur Kunst und tritt in einen Dialog mit uns,
der auf höherer Ebene stattfindet. Ganz direkt
findet auch der Dialog mit den „Zaungästen“ statt,
den kleinen Holzfiguren, die aus dem Sockel, einem
alten Zaunpfahl, herausgeschnitzt wurden und sich
aus dem Sockel herauswachsend selbst erhöhen.
Das Haus 8 wird auch in Zukunft
Kunst präsentieren
und darum ein Ort des Dialogs und der Kommunikation
sein, denn nur davon lebt sie. Also ein Kontrastprogramm
zum Schlaflabor obendrüber. Georg Janthur
hat mir vor kurzem erzählt, dass es eine Phase
in seiner Jugend gab, in der er gerne Rocker geworden
wäre. Ich denke, wir sind froh, dass er sich
das anders überlegt hat und Maler wurde. Und
dass er hier am Arrenberg durch eine Operation
wieder gesund wurde, um uns auch in Zukunft die
Welt, in der wir leben, mit dem Pinsel nahe zu
bringen.
Gisela Elbracht, Museum Baden, Solingen
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