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22.05.2008 | Immobilien Zeitung zurück
Wo Investoren über die Wupper gehen
Wuppertal ist die Heimat von Johannes Rau, des Vorwerk-Staubsaugers, von Aspirin und Friedrich Engels – und hat ein Imageproblem. Denn die Menschen verbinden mit der bergischen Metropole statt dem Vorgenannten eher einen Loriot-Sketch, in dem Erwin Lindemann mit dem Papst eine Herrenboutique in Wuppertal eröffnen möchte. Die Wirtschaftsförderung will nun mit alten Vorurteilen aufräumen.
Tatsächlich scheint es mehr Vorurteile über Wuppertal zu geben als fundiertes Wissen. Das gilt insbesondere für die Immobilienwirtschaft. Die Stadt wurde in ihrer heutigen organisatorischen Form erst am 1. August 1929 durch die Vereinigung der kreisfreien Städte Elberfeld und Barmen, der Städte Cronenberg, Ronsdorf und Vohwinkel sowie des Ortsteils Beyenburg der damaligen Stadt Lüttringhausen (heute zu Remscheid gehörig) unter dem Namen Barmen-Elberfeld als kreisfreie Stadt gegründet. Im Jahr 1930 erfolgte nach einer Bürgerbefragung die Umbenennung in Wuppertal. Womit die geografische Lage an der Wupper zum Ausdruck gebracht werden sollte. Wuppertal ist also eine junge Stadt, jünger beispielsweise als die Schwebebahn, für die sie berühmt ist und deren Sanierung nach Auskunft von Oberbürgermeister Peter Jung (CDU) auf mittlerweile rund 500 Mio. Euro veranschlagt wird. Dieses weltweit einmalige Nahverkehrsmittel wurde bereits 1901 von Kaiser Wilhelm II. in Betrieb gesetzt und fungierte in Wuppertal als Test. Der Kaiser wollte ähnliche Bahnen – offizieller Name: Einschienige Hängebahn System Eugen Langen – auch in anderen deutschen Städten errichten lassen. Nach einem Versuchsaufbau am Berliner Gleisdreieck, bei dem es zu einem schweren Unfall kam, blieb es jedoch bei der Konstruktion im Bergischen , die die damals eigenständigen Städte bis heute miteinander verbindet.
Ein Skandal mit langem Schatten schadet Wuppertal bis heute
In der jüngsten Vergangenheit machte doch vor allem der Bestechungsskandal um den ehemaligen Wuppertaler Oberbürgermeister Hans Kremen- dahl Schlagzeilen. Im Frühjahr 2002 wird bekannt, dass Kremendahl den Wülfrather Bauunternehmer Uwe Clees, der den Wahlkampf des SPD- Politikers mit 256.000 Euro (damals rund 500.000 DM) unterstützt hat, bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bevorzugt haben soll. Was nun folgte, war eine komplizierte Mischung aus verwaltungsrechtlichem Hickhack (Kremendahl war einerseits Beamter, anderseits gewähltes Stadtoberhaupt), Klammern an der Macht, Amtsenthebungsverfahren und mehreren Gerichtsurteilen. Das Ganze fand erst im August vergangenen Jahres ein Ende, als der Bundesgerichtshof den Freispruch Kremendahls letztinstanzlich bestätigte.
Ausländische Investoren haben die Stadt für sich entdeckt
Auch in Wuppertal interessierte schließlich niemanden mehr, ob der EX-OB tatsächlich geschmiert wurde. Es war vor allem das Imageproblem, das sich aus dem Skandal ergeben hatte und an dem die Stadt bis heute zu knabbern hat. Investoren, so scheint es zumindest, verirren sich viel zu selten nach Wuppertal. Zumindest gilt das für deutsche Investoren. Denn wer im vergangenen Jahr den IZ-Newsletter sorgsam gelesen hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass ausländische Kapitalanleger die Stadt durchaus zu schätzen wussten. Allen voran die dänische Tower Group, die alleine im Jahr 2007 acht Investmentpakete mit hohem Wohnanteil in Wuppertal kauften, - jeweils zwischen 20 und 200 Wohnungen schwer und sorgsam von lokalen Maklern. Die wiederum kooperierten mit dem Düsseldorfer Büro von Dr. Lübke und konnten so die Tower-Deals abschließen. Als besonders interessant stuften die Dänen den Wuppertaler Markt vor allem deshalb ein, weil sich dort kaum große Wohnungsbaugesellschaften engagiert hatten. Vielmehr befindet sich ein Großteil des Wohnungsbestands im Eigentum von Privatpersonen. Und so verzeichnet man 2007 einen Geldumsatz von 822 Mio. Euro auf dem Wuppertaler Investmentmarkt – nach 608 Mio. Euro im Jahr zuvor. Den Blick in die Zukunft will allen voran die lokale Wirtschaftsförderung richten. Derzeit sind zwei große Projekte in der Elberfelder City im Bau: Zum einen errichtet dort die Berliner Bauwert eine neue Handelsimmobilie mit dem Elektronikfachmarkt Saturn und einem Fitnessstudiobetreiber als Hauptmieter, zum anderen baut das Düsseldorfer Bekleidungsunternehmen Peek & Cloppenburg ein neues Weltstadthaus in der Elberfelder Einkaufslage.
Ebene Entwicklungsflächen sind ein rares Gut im Stadtgebiet
Rund 100 potenzielle Investoren waren Anfang Mai zu einer Besichtigungstour durch die Stadt zusammengekommen. Mit zwei Reisebussen und unter fachlicher Führung der Wirtschaftsförderung wurden Entwicklungsflächen vornehmlich in Elberfeld und Vohwinkel abgefahren, und schnell war klar: Das Bergische Land trägt seinen Namen zu Recht. Während Busse und Fahrer angesichts dramatischer Steigungen und engster Kurven an ihre Grenzen stießen, präsentierte man 25 Areale, auf denen die unterschiedlichsten Nutzungen möglich sind. Die Palette reichte von Wohnen über Groß- und Einzelhandel, Büro, Hotel bis zu Logistikflächen. Die Macher der städtischen Wirtschaftsförderung ließen keinen Zweifel daran, dass die Stadt nach Investoren hungert – und ihnen im Gegenzug renditeträchtige Flächen anbieten kann.
Privates Engagement auf dem Areal der Fabrik Elba
Ganz aktuell sind die Entwicklungen der so genannten Arrenberg`schen Höfe und des benachbarten Areals der Firma Elba. Die Arrenberg Entwicklungs- und Investitions-GmbH um die Familie Küpper lobte für das Elba-Areal einen nationalen Ideenfindungswettbewerb aus, dessen Sieger am 9. Mai gekürt wurden. Unter den 13 deutschen Architektenteams und sieben Studentengruppen konnte das Kölner Büro Coersmeier Architekten die Jury am meisten überzeugen. Ob das Areal mit seiner denkmalgeschützten Villa und alten Fabrikgebäuden einmal so bebaut wird, wie es sich die Kölner vorstellen, vermag noch keiner zu sagen. Die Arrenberg`schen Höfe in unmittelbarer Nachbarschaft werden bereits von der Berliner Estate Group als City-Residenzen für Wohlhabende vermarktet.
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